Kapitel Nr. 1

Rocktober ist weder ein Projekt der Jungmannschaft Burghausen, noch eine offizielle Fahrt vom DAV, sondern viel mehr einfach nur die hirnrissige Idee der Gebrüder März einen ganzen Monat am Stück zu klettern. Vorraussetzung für ein solches Unternehmen ist lediglich die wertvolle Gabe, seinem Arbeitgeber immer wieder Urlaub, unbezahlte Freistellung, Überstunden oder ein Sabbatical abzuluchsen, womit die Märzen ja bekanntlich gesegnet sind.

28.09. - 12.10.

Wir fahren am Samstag, den 28.09. los in Richtung Bischofsmütze, um uns mit der Bergwacht Altötting zum alljährlichen Kletterabschied zu treffen. Die Bergwachtler varabschieden hierbei die Klettersaison, während wir uns zum Klettern verabschieden. Den ersten Tag gibt’s geselliges Sportklettern an der Rauchwand und am zweiten Tag treibt uns das schöne Wetter schon zur ersten Alpintour, der Däumling Ostkante. Diese, sowie die meisten weiteren Alpintouren im Rocktober sind im Walter Pause Klassiker “im extremen Fels” beschrieben. Somit ist fast jeder Tag für uns ein Pausetag. Ein wunderschönes Wochenende traumhafter Kletterei neigt sich dem Ende zu und noch während wir uns verabschieden, kommen wir schon in den Sog der Alpen. Über Nacht geht’s in’s Gesäuse, am Montag klettern wir die Ödsteinkante und wieder in der Nacht positionieren wir uns unter den drei Zinnen. Nach der gelben Kante an der kleinen Zinne und einem Regentag gibt uns die Fiammeskante endgültig die Kante. Zudem sind die hohen Berge der Dolomiten auf einmal weiß. Wir entscheiden uns, in wärmere Gefielde zu fliehen – nach Arco an den Gardasee, wo wir uns bei gemütlichem Sportklettern zwei Tage ausrasten. Auf dem Weg zu einem alten Freund in Meran erklimmen wir noch die Guglia di Brenta. Hier habe ich schon drei Hosen und fünf Oberteile an. Als wir dann bei Simon Pedron mit gutem Essen und Restspeck herzlich empfangen werden, lässt der Drang an die hohen Wände kurz nach und wir verbringen noch den ganzen nächsten Tag in Meran.

Winter ist über die nördlichen Alpen hereingebrochen. Alle Berge sind ab 1500m weiß. Wir quartieren uns zwei regnerische Tage am Voralpsee ein, klettern ein bisschen an der traumhaften Wand und ziehen dann mit der Hoffnung auf kräftige Sonnenstrahlung ins Salbitgebirge, auf dass das kommende Hoch den Schnee bald wieder verflüssigt.

Bei Ankunft auf der Salbithütte sind wir noch die einzigen Besucher, doch der Tag bringt wirklich viel Wärme und wir können schon eine kleine Eingehtour, die “Mokka”, klettern. Wir entscheiden uns, wirklich am nächsten Tag den Salbitschjen Westgrat zu versuchen, was mein bisher spannendstes alpines Abenteuer wird. Die Tour ist für die kurzen Tage im Herbst verdammt lang  und wir wissen nicht, wie viel Schnee nordseitig noch liegt. Außerdem soll’s die nächste Nacht noch an die Graue Wand gehen um einen weiteren Klassiker zu klettern und die folgende Nacht drei Stunden Fahrt, vom Furkapass nach Chamonix, Zwischenstopp zum nächtlichen Burgeressen (Chamonix ist nämlich die heimliche Burgerhauptstadt Frankreichs) dann weitere drei Stunden Richtung Dauphine zu unserem gemeinsamen Treffpunkt, der Aiguilles Dibona, dann einen Korbi mit Resi und Tina beim Wildcampen zu erwischen & bestrafen, dann eine gemeinsame Alpintour, dann…..

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Bericht von Robert März

Bilder von den Gebrüdern März

 

Kapitel Nr. 2

Rocktober Teil 2: Ab nach Spanien und wieder zurück

Um unsere Truppenstärke aufzustocken (zwei Märzen sind zu wenig), unsere Wohnfläche zu erweitern (um ca 4m²) und die Vanküche abwechslungsreicher zu gestalten (wir brauchen Cappuccino) haben wir Team Ford, bestehend aus dem Korbi und seinen beiden Girls Tina und Theresa, nachgefordert. Als Treffpunkt haben wir das hintere Ende der Alpen ausgewählt, da wo man französisch spricht und das Meer nicht mehr weit ist.

Epilog: Ein unsanfter Einstieg

Nachdem ich nach der schier ewigen Fahrt von Burghausen in die Dauphine endlich Ruhe in meiner gemütlichen Hängematte gefunden habe, ahnte ich noch nicht, was aus der so ruhig anmutenden Nacht noch werden soll. Es muss wohl gegen 3Uhr gewesen sein, als sich der Vorfall ereignet hat. Ein Donnern, begleitet von gleißendem Licht reißt mich aus dem Schlaf. Ein Landeversuch von Aliens? Oder doch das französische Militär, welches gegen das Wildcampen vorgeht? Hoffentlich geht’s den Mädels im Van noch gut! 30 Schrecksekunden später haben sich meine Sinnesorgane soweit wieder normalisiert, dass ich das Märzmobil vor mir erkenne, das Hupen und Fernlicht soll wohl als Begrüßung dienen. Jetzt sind wir vereint, das kann ja heiter werden.

Teil 1: Der Aufbruch…

Beim Frühstück am nächsten Morgen, sechs Uhr, sitzen uns zwei mit der Müdigkeit ringenden Brüder gegenüber. „Es gibt nichts schlimmeres als vier aufeinanderfolgende Tage Schönwetter in den Bergen“ ist die Begründung von Thomas, der wohl kurz vor dem Burnout steht. Trotzdem schaffen wir es, mit viel Kaffee, frischen Semmeln aus der Heimat und gutem Zureden, die Gebrüder März mobil zu machen und wir begeben uns auf den Weg, zu unserem heutigen Ziel: Der Aiguille Dibona, welche wir mehr oder weniger freiwillig durch einen Mix aus verschiedenen Routen aufs Haupt steigen. Unsere geplante Route, die Visité Obligatoire treffen wir nur auf den letzten beiden Seillängen, was wohl an der hohen Routendichte des Berges und an der Müdigkeit unserer Vorsteiger liegt. Nach 12h sind wir wieder beim Auto, wo dann Thomas der Müdigkeit kapituliert und beim Abendessen einschläft. Was er zu dem Zeitpunkt noch nicht weiß, ist dass wir am nächsten Morgen um 6:00Uhr Früh nach Ceüse aufbrechen wollen, damit wir noch zum Klettern kommen.

Um die weite Anreise zu überbrücken, sind mehrere Kaffeepausen notwendig, doch nach leichten Wegfindungsproblemen kommen mit ca. 5h Verspätung auch Team März hochmotiviert am Felsen an und legt sich erst mal schlafen.  Leider wird diese Motivation am Tag darauf durch strömenden Regen unterbrochen, wodurch wir Ceüse vorzeitig verlassen und uns Richtung Siurana in Spanien aufmachen. Dort verweilen wir zwei Tage und schauen dabei zu, wie Hautschicht für Hautschicht von unseren Fingerkuppen durch die scharfen, koralligen Leisten abgetragen wird. Da am dritten Tag die Haut an den Fingerkuppen komplett verschwunden war, wechselten wir das Gebiet um nach einem Tag Pause an größeren Griffen die Haut an den tieferliegenden Fingergliedern von Löchern und Henkel ruinieren zu lassen. Nur einer hat seine Motivation wiedergefunden und versucht am selben Tag noch den enormen Fliegenmassen zu entkommen, indem er in steile Wände flieht. Was aber nicht funktioniert, denn Fliegen können fliegen und ersticken somit den Fluchtversuch schon im Keim. Nachdem der sintflutartige Regen auch Margalef erreicht und selbst die steilsten Überhänge den Wassermassen nicht mehr standhalten können, flieht unsere fünfköpfige und achträdrige Kolonne weiter Richtung Westen, an die Mallos des Riglos.

Aiguille Dibona-1 (Custom).jpgAiguille Dibona-2 (Gipfel) (Custom).jpgAiguille Dibona-3 (Custom).jpg 

 Teil 2: Riegelförmige Felshämmer

„Mallos des Riglos“ kommt aus dem spanischen und heißt übersetzt „die Hämmer von Riglos“. Was auch stimmt, denn die Felsen dort sehen aus wie riesige, aus dem Boden emporragende, meist überhängende Schokoriegel und die Kletterei auf ebendiesen ist der Hammer!!! Am ersten Tag herrscht im Insgesamten noch recht wenig Klettermotivation, was vielleicht an der hohen Luftfeuchtigkeit namens Regen liegt. Zumindest müssen wir nicht mehr mit Gesteinsbrocken auf der Straße und dem eindringenden Wasser in unsere Vans kämpfen. Und die uns verfolgenden Fliegenschwärme sind wir spätestens auf der Autobahn nach Huesca auch losgeworden.

Am Tag darauf wird die Oberarmmuskulatur von Tina, Korbi und Thomas in der Route „Fiesta del Bizeps“ auf Herz und Nieren geprüft, wobei das wenig Sinn macht, denn Herz und Niere liegt bekannterweise nicht im Oberarm sondern woanders. Theresa und Robert kennen sich mit ihren Körperteilen besser aus und betreiben nebenan Körperpflege in der Tour „Mosquitos“ Der Niederschlag in den letzten Tagen hat nämlich dazu geführt, dass sich den oberen Teil der Route ein Wasserfall einverleibt hat, und diesen auch nicht mehr hergibt. Das Positive daran ist, dass die Wassermassen mit solchem Druck über die Kletterer rauschen, dass ein komplettes Entkleiden beim Duschgang nicht notwendig ist. Fazit zu der Gesteinsart namens Konglomerat: „Ich hab ned glaubt, dass es überhängende Kieshaufen gibt, an denen man a no klettern kann“ Und brüchig war zur totalen Verwunderung an dem Berg garnix.

Dass das auch anders geht, konnte am selben Tag noch durch Team Bizeps festgestellt werden. Bei dem Versuch wurde die Beschleunigung von übergroßen Kieselsteinen ausgelöst durch Auslösung aus dem Konglomerat getestet. Der Versuchsaufbau befand sich in der Direktvariante auf die Malvadiere welche ausschaut wie eine riesige Rakete. Da es selbst nach der zweiten Tour am Tag noch nicht genug war, wurde während des Abstiegs noch eine Übung namens Prusiken durchgeführt. Nachdem uns beim zweiten Abziehversuch das Seil dann entgegenrauschte, waren wir bald unten und wurden durch einen glücklichen, aber nassen Robert und eine ausgesperrte Theresa trotzdem noch recht freundlich begrüßt. Gibt’s eigentlich Zahlenschlösser auch fürs Auto?

Am Tag darauf war die Motivation immer noch vorhanden, und wir starteten wieder um dem letzten Riegel seinen Hammer abzuluchsen. Der Pison wurde vom Team TÜV über die Route Carnevaldo und vom Team Kaltduscher über die bauchigste aller bauchigen Routen bestiegen. Um den Roten Punkt zu wahren, wurden exotische Rucksack-nach-oben-Beförderungsmethoden und eine ausgeprägte Atemtechnik eingesetzt. Oben angekommen waren wir fast nicht müde. Kurze Zeit später vereinten wir uns am Gipfel und zelebrierten das Ganze mit einem (vielleicht zu) großzügigen Festmahl. Danach noch schnell das obligatorische Gipfelfoto geknipst und schon gings per Abseilpiste wieder genau da hin, wo wir vor 6 Stunden gestartet sind. Bergsteigen ist halt doch die schönste Art seine Zeit und Energie zu verschwenden. Da uns nun die Riglos ganz schön plattgehämmert haben, wars wieder Zeit für einen Ortswechsel. Und weil wir interessiert waren, ob Margalef nach dem Unwetter noch existiert, war das unser nächster Anlaufpunkt. Um den kulturellen Aspekt nicht zu kurz kommen zu lassen, machten wir abends Zwischenstopp in Lleida, zum Paella essen. Das schwierigste an dem ganzen ist’s, das Wort Paella richtig auszusprechen, doch unsere Spanisch-Expertin Tina hat sich alles mögliche (inkl. Drohungen) einfallen lassen, um uns darin zu schulen.  Die richtige Aussprache geht nämlich so: [Baeyjja]. All das üben war umsonst, denn die spanische Reis-Fisch-Platten-Kombination gibt’s nur zum Mittagessen. Als der Hunger die Kontrolle über unser Hirn übernommen hat, haben wir

Teil 3: Heimwärts…

Nach den Riglos gings quasi wieder Richtung Heimat, auch wenn man jetzt nicht von einer direkten Heimreise sprechen kann. Da dem Thomas seine Finger in Margalef irgendwann die ewige Kletterei satt hatten, quittierten sie mit den Worten „geh leck uns doch am Ar***“ ihren Dienst. Zur Heilung wurden zylinderförmige, rote Blechkörper zum Kühlen eingesetzt und anschließend ausgetrunken. Nach zwei Tagen waren alle Fliegen satt und wir müde und somit haben wir uns zum letzten Ziel unserer Reise aufgemacht. Dem Finale. Aber dazu müsst ihr nochmal umblättern…

Mallos des Riglos-6 (Gipfelfoto) (Custom).jpgMallos des Riglos-5 (müde Krieger) (Custom).jpgMallos des Riglos-4 Malvadiere aka Rakete (Custom).jpgMallos des Riglos-3a (Kampf mit dem Wasserfall) (Custom).jpgMallos des Riglos-3 (Custom).jpgMallos des Riglos-1 (Custom).jpgMallos des Riglos-7 (Fiesta del bizeps) (Custom).jpg

Bericht von Thomas März, mit freundlicher Genehmigung vom Korbi, der sich von seinem Hängemattentrauma immer noch nicht ganz erholt hat.

Die meisten Fotos von Korbi (aka Heinz Zak) und Thomas. Aber eigentlich haben alle Fotos unsere Kameras gemacht. Danke dass ihr durchgehalten habt!!!

 

Rocktoberfahrt Teil 3: Das große Finale…

(vom 27.10. bis 03.11.2019)

 Nachdem ein Teil der Jungmannschaft ja schon vier Wochen unterwegs war, und deren Vorräte langsam erschöpft sind, starten wir von Burghausen aus eine Versorgungsfahrt. Ab in den Süden! Es geht nach Finale Ligure, Italien. Mit im Gepäck sind Erfrischungsgetränke, saubere Kleidung für unsere Weltenbummler (genau eine Lederhose für fünf Personen), fehlende Elektronikausrüstung und natürlich wir 😉 Die letzten Nachzügler nennen sich Philipp, Simon K., Joshi und ich. Lorenz kommt sogar auch noch einen Tag später nach.

Wir sammeln die Van-Gang in Finales Straßen auf. Jetzt sind wir also zu zehnt! :) Nachdem wir ein passendes Zuhause mit Stellplatz für zwei Vans für unsere Truppe gefunden haben, wurden die Kletterführer eifrig durchsucht, wo der schärfste, beste Fels zu finden ist.

Es folgen sechs Tage pures Klettern, in denen wir am Ruhetag auch noch ein 15-Meter hohes, steinernes Gebilde mit interessanter Form zu zehnt besteigen, um ein gemeinsames Gruppenfoto hinzubekommen. Zudem ist nun der Turm für die nächsten zehn Jahre mit dem Zertifikat Jungmannschafts-proofed ausgezeichnet . Wir mischen das ganze mit Kaffeekochen am Fels, Hängemattenchillen, (Nacht)Baden im Meer, gemeinsamen Kochen im Apartment, unterhaltsamen Abende und schon wars wieder mal eine geniale JuMa Herbst-Fahrt. Damit sich Finale Ligure noch lange an uns erinnert, lassen wir den Einwohner ein paar eindrückliche Erinnerungen von uns da.

Hier noch meine persönlichen Lieblingsbilder des Urlaubs:   

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Bericht von Janina März

Fotos von Thomas März

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